Forum Alpbach: Die Welt im Dorf

Das internationalste Netzwerk Österreichs

Von Stefan Schatz

Das Europäische Forum Alpbach bietet die höchste Konzentration an renommierten Wissenschaftlern, Top-Managern, Politikern und Künstlern aus aller Welt. Die Idee: Sie sollen voneinander lernen – und sich gegenseitig vernetzen.

Dass 4.000 Menschen aus aller Welt gleichzeitig in ein Tiroler Dorf strömen, ist an sich noch nichts ­Ungewöhnliches. Auch dass es sich dabei um Entscheidungsträger in riesigen Konzernen, Nobelpreisträger, hoch renommierte Professoren der weltbesten Universitäten oder die wichtigsten Vertreter von Politik und internationalen Organisationen handelt, mag noch nicht verwundern.

Aber: Es handelt sich dabei nicht um Kitzbühel oder den Arlberg. Und: Die Veranstaltung, zu der die geistige Elite strömt, findet nicht im Winter statt. Sondern im August. In Alpbach, einem kleinen und tatsächlich noch sehr idyllischen Dorf in den Tiroler Alpen.

Die Rede ist vom Europäischen Forum Alpbach. Schon 1945 riefen Otto Molden und Simon Moser zu österreichischen Hochschulwochen in das Bergdorf. Es war eine der ersten politisch-intellektuellen Veranstaltungen auf dem Kontinent, die
Idee war, mit Vernetzung, Austausch und intellektuellem Diskurs Grenzen zu überwinden.

Tatsächlich folgten immer mehr hochprominente Entscheidungsträger dem Ruf:
In der knapp 70-jährigen Geschichte der Veranstaltung, die auch heute noch zu den bedeutendsten interdisziplinären Dialogplattformen für Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Kultur in ganz Europa zählt, war das Who’s who der geistigen Elite des Kontinents zu Gast: Ralf Dahrendorf und Helmut Kohl ebenso wie Friedrich von Hayek, Werner Heisenberg, Max Horkheimer, Karl Popper, Fritz Wotruba, Indira Gandhi, Ban Ki-moon, Theodor W. Adorno, Konrad Lorenz, Kardinal Franz König – die Liste ließe sich tatsächlich endlos fortsetzen.

Und: So gut wie jeder wichtige Unternehmer und Manager aus dem deutschsprachigen Raum war auch schon da.

Das Beste aber: Teilnehmen darf jeder, der sich für eines der Themen interessiert. Man muss sich nur rechtzeitig anmelden und die für die jeweilige Veranstaltung fällige Teilnahmegebühr überweisen. Gut investiertes Geld: So nah kommt man den
klügsten Köpfen der Welt sonst nur sehr selten.

„Prominente Manager, die normalerweise frontal vortragen, tauschen in
Alp­bach ihre Ar­gu­mente im Klassenzimmer der Hauptschule aus“, beschreibt Philippe Narval, der Geschäftsführer des Forums Alpbach, die Stimmung.

Sein Sprecher, Stefan Kranewitter, ergänzt: „Zusätzlich zu den heuer geplanten 60
Podiumsdiskussionen, 75 Breakout Sessions und zahlreichen Sonderveranstaltungen gibt es noch eine Vielzahl von Side-Events, Kultur-Highlights und Empfängen.“ Außerdem dürfen auch die Sponsoren des Europäischen Forum Alpbach zu
speziellen Arbeitskreisen ­laden.

Dass sich die vielen Besucher aus üb­li­cherweise mehr als 70 Nationen untereinander vernetzen, ist nicht nur ein Nebeneffekt, sondern klares Ziel der Veranstaltung. „In Alpbach dreht sich alles um den Austausch von Argumenten, um neue Erkenntnisse und ungewohnte Sichtweisen“, sagt der Präsident des Forums, Franz Fischler.

Für den Oxford-Absolventen Narval, der schon bei NGOs Erfahrungen sammelte, ist die interdisziplinäre Vielfalt das beste Mittel gegen „Silo-Denken“. Wo sonst würde ein Forscher aus dem Medizinbereich mit einem Finanzwissenschaftler über die Zukunft des Geldsystems diskutieren können? Oder ein führender Europa-Politiker mit Unternehmern über die Möglichkeiten der Union, gemeinsam auf den Wachstumspfad zurückzukehren?

Berührungsängste gibt es ohnehin kaum. Dafür sorgt schon das spezielle Setting, für das Alpbach mittlerweile tatsächlich weltberühmt ist. Das Dorf selbst ist klein, mit 4.000 Besuchern ist jedes Notbett besetzt. Man läuft sich also ohnehin ständig
über den Weg.

Für Kranewitter ist die ­spezielle Bergdorf-Atmosphäre zudem ein Turbo für ein schnelles Miteinander: „Man ist weit weg vom Alltagstrott, die Umgebung ist herrlich und man fühlt sich fast wie im Urlaub. Unser Job ist es, Leute zusammenzubringen, die sich sonst nicht treffen würden.“ Und dafür zu sorgen, dass frische Ideen neue Denkanstöße liefern. Und zwar durch Einbindung von jungen Studenten, die in allen Teilen des Kontinents unterstützt und nach Alpbach geladen werden.

Das Europäische Forum Alpbach scheint eine der letzten Großveranstaltungen zu sein, wo das Dabeisein tatsächlich alles ist. Jedenfalls wird man an kaum einem anderen Ort der Welt so viele einflussreiche Vordenker und Gestalter in so kurzer Zeit so nahe kennenlernen.

Für weitere Informationen: www.alpbach.org